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"Hilf mir, es selbst zu tun!" |
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Diese
Bitte eines Kindes wurde zum Leitmotiv Maria Montessoris
Erziehungs-konzeptes. Aus der genauen Beobachtung von Kindern zog die
Ärztin und Pädagogin wichtige Schlüsse: Kinder können und wollen
lernen, selbstständig und ohne Zwang.
Voraussetzungen
sind entwicklungsgemäße Materialien und die Freiheit, sie ihrem
Entwicklungsstand entsprechend zu wählen. Die Lehrerinnen und Lehrer
verstehen sich dabei als Beobachter und Helfer.
Montessori hat eine
Pädagogik entwickelt, die nicht nur der Wissensvermittlung dient,
sondern das Kind in seiner Individualität akzeptiert und seinen eigenen
Entfaltungskräften Raum gibt. Nach der Pädagogik Maria Montessoris
arbeiten Schulen weltweit erfolgreich, indem jedes Kind begleitet und gefördert wird. So erfährt das Kind den schulischen
Lernprozess ohne die sonst oft üblichen Misserfolgs- und
Konkurrenzerlebnisse.
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Maria Montessori
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Maria
Montessori gilt als die bekannteste Pädagogin des vorigen Jahrhunderts.
Gegen Ende der Schulzeit strebte sie ein Medizinstudium an. Maria
jedoch setzte ihren Wunsch gegen viele Widerstände durch und wurde so
die erste "dottoressa" Italiens.
Als
Ärztin kam sie auch mit den Kindern von Patientinnen des
psychiatrischen Krankenhauses in Kontakt und suchte nach Möglichkeiten,
diesen Kindern zu helfen. Bei den französischen Ärzten Itard und Seguin
fand sie Methoden und Materialien, die die sinnliche Wahrnehmung
geistig behinderter Kinder schulen und damit ihren Intellekt aktivieren
sollten. Diese Ideen wurden von Maria Montessori aufgegriffen und
weiterentwickelt. Sie erzielte damit erstaunliche Erfolge, die Aufsehen
erregten.
Maria Montessori begann ihre Erfahrungen auch für die Erziehung gesunder Kinder auszuwerten, denn, so schrieb sie:
"Während
alle die Fortschritte meiner Idioten bewunderten, machte ich mir
Gedanken über die Gründe, aus denen glückliche und gesunde Kinder in
gewöhnlichen Schulen auf so niedrigem Niveau gehalten werden, dass sie
bei Prüfungen der Intelligenz von meinen unglücklichen Schülern
eingeholt wurden."
Montessori
entwickelte ihre Methode zuerst für die Kleinkinderziehung und bald
auch für das Grundschulalter. Ihre "Montessori-Erziehung" breitete sich
ebenso wie die Literatur Montessoris rasch in vielen Ländern aus.
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Grundgedanken der Montessori - Pädagogik |
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Das von Maria
Montessori erstellte pädagogische Konzept umfasst die gesamte kindliche
Entwicklung, angefangen bei der Geburt bis hin zum Eintritt in das
Erwachsenenalter. Das Kind ist für Maria Montessori kein passives
Wesen, sondern eine Persönlichkeit mit großer Eigenaktivität und
Konzentrationsfähigkeit.
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Sensible Phasen
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Montessori spricht von einem Bauplan der Entwicklung, d.h. die menschliche Entwicklung vollzieht sich gesetzmäßig und regelhaft.
Montessori
unterscheidet drei große Entwicklungsstufen. In jeder dieser Stufen
gibt es eine sensible Phase, in denen das Kind bestimmte Fähigkeiten
(z.B. Laufen, Lesen, Sprechen) besonders gut erlernen kann.
Hat
das Kind in dieser Phase Erwachsene um sich, die es bestärken, aber
weder bedrängen noch behindern, und eine vorbereitete Umgebung, so wird
es die entsprechende Fähigkeit freudig und aus eigenem Antrieb lernen.
Fähigkeiten
und Fertigkeiten, die außerhalb der entsprechenden sensiblen Phase
gelernt werden sollen, können nicht mit der gleichen Leichtigkeit
gemeistert werden, und das Lernen geschieht nicht so selbstverständlich.
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Polarisation der Aufmerksamkeit |
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Montessori
entdeckte, dass es Kindern gelingen kann, sich total zu konzentrieren,
während sie sich mit einem selbstgewählten Gegenstand beschäftigen. Die
Konzentration lässt erst dann nach, wenn die selbstgewählte Aufgabe
gelöst wurde. Montessori schrieb:
"Ich
beobachtete ... ein etwa dreijähriges Mädchen, das tief versunken war
in eine Übung mit den kleinen Holzzylindern, die es aus den
Vertiefungen des Holzblockes herausnahm und dann wieder an ihren
richtigen Platz brachte. Der Ausdruck des Kindes zeugte von einer so
tiefen Aufmerksamkeit, dass es für mich eine Offenbarung war: ... Ich
beobachtete die Kleine mit Spannung, ohne sie zu stören. Ich zählte 44
Wiederholungen, und als sie endlich aufhörte, tat sie das ganz
unabhängig von den Ablenkungen um sie her, die sie hätten stören
können, und blickte glücklich umher, als ob sie von einem erquickendem
Schlaf erwacht wäre."
Für
Montessori tritt diese Konzentration immer dann auf, wenn ein Mensch
sich aus innerstem Interesse einer Sache hingibt: Das Kind und die
Sache werden eins.
Das
so in seine Beschäftigung vertiefte Kind lässt sich durch nichts mehr
ablenken, weder Unruhe noch Aktivitäten seiner Mitschüler können es
stören. Ist die selbstgewählte Aufgabe gelöst, wirkt das Kind
ausgeglichen und zufrieden.
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Die vorbereitete Umgebung
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Eine der Hauptaufgaben des Lehrers besteht bei Maria Montessori in der Gestaltung der vorbereiteten Umgebung. Anhand der speziellen Montessori-Materialien soll das Kind seine Fähigkeiten entwickeln.
Alle Materialien sollen
- entwicklungsgemäß sein
- aufeinander aufbauen
- Sinne und Bewegung einbeziehen
- Wiederholungen und variantenreiche Anwendung ermöglichen
Abstrakte Lerninhalte werden versinnbildlicht und dem Kind über konkretes Handeln zugänglich gemacht. Jedes Material beinhaltet Selbstkontrolle. Durch seine ästhetische Gestaltung besitzt es einen hohen Aufforderungscharakter.
Alle Materialien sind in offenen Regalen untergebracht, frei zugänglich und nach Lernbereichen übersichtlich eingeordnet. Das Kind kann sich allein im Raum zurechtfinden und selbstständig arbeiten.
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Die freie Wahl |
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Der Kern der Montessori-Pädagogik ist die freie Wahl: Ein frei handelndes Kind tut etwas von sich aus, freiwillig, spontan und angstfrei.
Dem Lehrer ermöglicht die freie Wahl die Beobachtung individueller Lernvoraussetzungen und Lernfortschritte. Daran richtet er das Angebot des Materials und die Art der individuellen Unterstützung des Kindes aus.
Freie Wahl ist nicht zu verwechseln mit einem Laissez-faire-Stil. Sie bedeutet nicht "Freiheit wovon" sondern "Freiheit wozu". Das Kind entscheidet sich für den Zeitpunkt einer Arbeit, für deren Dauer, es bestimmt die Anzahl der Wiederholungen, wählt seinen Arbeitsplatz und eventuelle Partner selber aus.
Die vorbereitete Umgebung schränkt jedoch die Wahlfreiheit des Kindes ein: Jedes Arbeitsmittel ist nur einmal vorhanden, denn Überfülle überfordert. Die Einmaligkeit hebt den Wert des Materials und fördert soziale Prozesse. Absprachen mit Klassenkameraden müssen getroffen, Vereinbarungen eingehalten werden.
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Selbsttätigkeit und Bewegung
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Intelligenz entwickelt sich nur in Auseinandersetzung mit der Umwelt, und das ist nur durch aktives Tun möglich. Dem Kind müssen daher Gelegenheiten zu Selbstständigkeit und Bewegung geboten werden. Die von Maria Montessori entwickelten Materialien ermöglichen es dem Kind, Sachverhalte und selbst abstrakte mathematische Begriffe zu "begreifen".
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Die Rolle des Lehrers und Erziehers |
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Der Lehrer oder die Lehrerin tritt in der Montessori-Erziehung als Beobachter und Helfer hinter das Kind zurück. Das Kind bestimmt selbst, was es macht, und das Material motiviert das Kind zu seinen Aktivitäten.
Der Lehrer wird zum Mittler zwischen Material und Kind. Er weiß bei jedem einzelnem Kind, welche Lernziele es schon erreicht hat und welche Schwierigkeiten es im Moment zu meistern hat. Wo nötig, bietet er seine Hilfe an, macht das Kind mit einem neuen Material vertraut und unterstützt die Eigenaktivität des Kindes.
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Die indirekte Erziehung
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Das
oberste Ziel der Montessori-Erziehung ist die Unabhängigkeit des Kindes
vom Erwachsenen. Dies wird auf vielfältige Weise angestrebt.
Die
Schule soll ein Ort sein, an dem das Kind sich wohlfühlt. Der Umgang
mit entwicklungsgemäßem Material, das auch Interessen und Begabungen
jedes einzelnen Schülers berücksichtigt, ist die Voraussetzung für
dauerhafte Lernfreude. Die Möglichkeit der intensiven und
langanhaltenden Beschäftigung mit einem Lerngegenstand, die beliebige
Wiederholung einer Übung, gibt dem Kind Sicherheit und Vertrauen in die
eigene Leistung und unterstützt es auf seinem Weg, selbstbestimmt und
entscheidungsfreudiger zu werden. Durch die selbsttätige
Auseinandersetzung mit Sachverhalten und unterrichtlichen Problemen
wird es selbstständig und kommt damit dem zentralen Erziehungsziel
Maria Montessoris ein Stück näher. Die Lernumgebung, die konzentriertes
Handeln und Lernen zulässt und fördert, führt das Kind zu
Ausgeglichenheit und innerer Harmonie, die Ästhetik des Materials und
der vorbereiteten Umgebung wecken die Wertschätzung für alle Dinge, mit
denen wir umgehen, und weiten den Sinn für das Schöne.
Mit freundlicher Unterstützung der Montessori-Fördergemeinschaft Bamberg e.V.: www.montessori-bamberg.de
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